Emotionen & Lernen – warum Gefühle für unseren Erfolg entscheidend sind
Was Freude, Neugier, Angst und das Gefühl von Kontrolle mit Motivation und nachhaltigem Lernen zu tun haben.
Emotionen sind ein untrennbarer Teil der menschlichen Erfahrung und beeinflussen auch den Lernprozess. Reinhard Pekrun untersucht in seinem Paper „Emotion and Achievement During Adolescence“ die komplexe Beziehung zwischen Emotionen und Lernergebnissen, ihre Auswirkungen auf das Lernen und den Wert emotionaler Kontrolle im Bildungskontext.
Konzepte von Emotionen
Emotionen können grob in positive und negative Emotionen eingeteilt werden. Positive Emotionen wie Freude, Hoffnung und Stolz wirken oft aktivierend. Negative Emotionen wie Angst, Scham und Langeweile wirken eher deaktivierend und können Teilnahme oder Konzentration behindern.
Aktivitätsbezogene Emotionen beziehen sich etwa auf eine Schulstunde oder Schularbeit und umfassen Versagensangst, Hoffnung auf Erfolg, Langeweile bei Routineaufgaben, Stolz auf Erreichtes und Scham über schlechte Leistungen.
Kognitive Emotionen entstehen beim Lösen einer Aufgabe. Dazu zählen Überraschung, Verwirrung, Neugier und Frustration. Soziale Emotionen wie Bewunderung, Neid oder Mitgefühl beeinflussen wiederum die zwischenmenschliche Dynamik im Bildungsumfeld.
Auswirkungen von Emotionen
Emotionen spielen eine zentrale Rolle bei Aufmerksamkeit und Motivation. Ihr Einfluss kann so groß sein, dass er bei der Erklärung akademischen Erfolgs andere Variablen wie Intelligenz, Geschlecht und sozioökonomischen Hintergrund übertrifft.
Positive Emotionen, wie sie beim Spielen entstehen können, fördern geistige Flexibilität, Neugier und Interesse. Im besten Fall entsteht ein Flow-Zustand, in dem Lernende ganz in einer Aufgabe aufgehen. Ohne gute Steuerung können positive Emotionen allerdings auch ablenken.
Negative Emotionen wie Angst können anfangs die Konzentration erhöhen, fördern aber häufig oberflächliches Lernen und behindern tiefes Verständnis und langfristiges Behalten. Beim Umgang mit Emotionen braucht es daher ein sinnvolles Gleichgewicht.
Wert und Kontrolle
Das emotionale Erleben hängt stark davon ab, welchen Wert eine Aufgabe hat und wie viel Kontrolle Lernende über das Ergebnis empfinden. Ist eine Aufgabe besonders wichtig, etwa eine Prüfung, wird das Gefühl von Kontrolle entscheidend.
Wer sich angemessen vorbereitet fühlt, die Erwartungen versteht und klare Bewertungskriterien kennt, erlebt eher Freude und Zuversicht. Fehlen diese Faktoren, können Furcht und Angst die Leistung beeinträchtigen.
Ein spielerisches, selbst gesteuertes Lernerlebnis kann genau dieses Gefühl von Kontrolle fördern. Sogar bei Aufgaben, die zunächst als unwichtig empfunden werden, kann Kontrolle zu einer positiveren Einstellung und größerem Engagement führen.
Schlussfolgerungen
Emotionen prägen die Lernerfahrung und den akademischen Erfolg. Angst und Langeweile können Lernen besonders stark behindern, während positive Emotionen Motivation und Neugier steigern und einen sich selbst verstärkenden Lernprozess anstoßen können.
Spielerisches Lernen mit Punkten, Abzeichen oder sichtbarem Fortschritt kann den wahrgenommenen Wert einer Leistung verstärken. Gut definierte Ziele und ein strukturierter Weg dorthin geben Lernenden Kontrolle über den eigenen Lernprozess.
Emotionen beim Lernen sollten weder ignoriert noch unterdrückt werden. Sie müssen anerkannt und konstruktiv kanalisiert werden, weil sie ein entscheidender Teil von Wissenserwerb und persönlichem Wachstum sind.
Quelle: Reinhard Pekrun, Emotion and Achievement During Adolescence

